Jeder hat einen dieser Tage, an dem einfach nichts klappen will. Bei mir erscheinen diese Tage gern in Zusammenhang mit langen Trainingszeiten. Also, wenn ich endlich mal einen freien Nachmittag habe und ausgedehnt Zeit zum Training, DANN, genau dann, will einfach überhaupt nichts mehr klappen. An manchen Tagen fühle ich mich wie die stärkste Pole Tänzerin der Welt und Figuren gelingen mir, die noch vor kurzem unerreichbar schienen. An anderen Tagen klappen nicht einmal Figuren, die ich eigentlich nur zur Erwärmung wiederholen wollte.

Auf einmal tut ein einfacher Leg Hang wieder schrecklich weh am Bein, ein sauberer Handspring scheint mir die letzte Kraft zu rauben und von Dead Lifts wollen wir einfach gar nicht anfangen zu reden. In solchen Momenten würde ich am liebsten irgendwo gegentreten. Ich spüre wie die Frustration sich in meinem ganzen Körper breit macht und ich mich heimlich verfluche. Wie kann das sein? Wie kann mir mein Körper so ein Schnippchen schlagen? Um es noch dramatischer zu machen: Auch der Gedanke alles hinzuschmeißen ist mir in solchen Momenten schon durch den Kopf gekommen. So viel Training, so viel Anstrengung, so viel Fokus – für nichts. Dafür, dass ich mich um drei Jahre in meinem Training zurück geworfen fühle und schlaffer (und nichtmal so niedlich) wie die  Katzen in diesen GIFs.

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Hinzu kommen natürlich Facebook oder Instagram, die weiter Salz in die Wunde streuen und all die Prima-Poler zeigen, die dahinschweben und fliegen und liften und so grazil und stark und schön geboren zu sein scheinen.

An diesem Punkt musst du allerdings eine Entscheidung treffen und natürlich ist diese hart. Aber wie gehst du mit einem schlechten Trainingstag um? Schmeißt du wirklich alles hin? Gehst du frustriert nach Hause und kommst für Wochen nicht wieder? Bist du sauer auf dich und deinen Körper oder akzeptierst du, dass es solche Trainingstage immer geben wird?

Training ist ein steter Prozess und dieser verläuft niemals geradlinig. Es geht nie nur bergauf. Es geht immer ein bisschen hinab, um dann weiter bergauf gehen zu können. Vielleicht hast du den Tag davor schlecht geschlafen, vielleicht hast du nicht das Richtige gegessen, vielleicht hattest du einen psychisch anstrengenden Tag, vielleicht hast du deine Regenrationszeit nicht richtig eingehalten oder genutzt. Man ist oft erschöpft von Dingen, die man im Alltag gar nicht wahrnimmt, die allerdings deinen Trainingserfolg maßgeblich beeinflussen.

Und egal wie es dir geht. Egal auf welchem Niveau du trainierst, ob du einen guten oder schlechten Trainingstag hast. Wichtig ist, dass du immer dein Bestes gibst und akzeptierst, dass dein Bestes ein absolut relativer Begriff ist. Dein Bestes kann an einem Tag ein Janeiro bedeuten und an einem anderen Tag ein Butterfly. Versuche immer Empathie und Verständnis deinen Körper entgegen zu bringen und gegebenenfalls dein Training so weit herab zu stufen,  wie dein Körper an diesem Tag leisten kann. Deine Leistung heute sagt nichts über deine Leistung gestern und auch nichts über deine Leistung morgen aus. Wenn du zu frustriert bist, um mit einem vereinfachten Training fortzufahren, du aber trotzdem Sport betreiben willst, dann wechsle doch die Disziplin. Tanze, Stretche dich ausgedehnt oder widme dich deinem Handstandtraining. Gib dein Bestes.

Beim nächsten Mal, du wirst sehen, geht es wieder weiter aufwärts und dein Körper ist biegsamer, stärker und ausdauernder denn je. Ich freue mich jedenfalls trotz Trainingstief wieder auf meine nächste Trainingseinheit. Auf den Deadlift. Oder auf den Butterfly. Nicht wichtig.

PS. So trainierst du erfolgreich allein.

(Photo by essde/photocase.com)