Ich bin überglücklich euch heute die wundervolle und absolut unvergleichliche Marion Crampe vorstellen zu dürfen. Marion ist sehr berühmt in unserer Pole Welt und hat unsere Pole Community in vielen Punkten maßgeblich beeinflusst, wenn nicht sogar verändert. Ich glaube eigentlich nicht, dass ich Marion vorstellen muss, aber sicher ist sicher:

Marion begann ihre Karriere mit klassischem Ballett und Jazz, bevor sie zu street Jazz und HipHop wechselte. 2006 nahm sie ihre erste Pole Stunde und war dem Pole Sport natürlich sofort verfallen (wer nicht?). 2012 gewann sie die French Pole Dance Championship, doch dies war nicht ihr erster Wettkampf. Marion ist ein der prestigeträchtigsten Pole Tänzerinnen und hat bei zahlreichen Meisterschaften gewonnen, ist vielfach aufgetreten und hat verschiedenste Preise verliehen bekommen. Sie ist außerdem Markenbotschafterin von Bad Kitty Pole Wear und Lupit Pole. Seit 2010 kannst du ihren Unterricht im Milan Pole Studio genießen.

Marion ist für viele von uns ein Vorbild. Ihr Stil ist durch Elemente aus Tanz, Kontorsion und vor allem, Emotion geprägt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie stark Marion ihre Choreographien durchlebt und wie künstlerisch jede ihrer Bewegungen aussieht.

Aber ich will dich nicht länger vom wahren Spaß abhalten. Entlocken wir ihr all ihre Pole Geheimnisse…

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  1. Marion, seit 2006 machst du Pole Dance. Wie hat sich dein Stil über die Jahre verändert?

Mein Stil hat sich langsam durch Training und Erfahrung verändert. Ich habe meinen eigenen Stil gefunden, aber seitdem entwickle ich ihn ständig weiter. Als ich vor einigen Jahren mit Pole Dance begonnen habe, hatte ich keinen richtigen Stil. Ich sammelte Inspirationen bei anderen Pole Tänzerinnen und Künstlerinnen, aber es war nicht mein eigener Stil. Mit der Zeit, durch viel Training und auch, weil ich als Künstlerin und als Frau gewachsen bin, habe ich endlich meine innere Stimme und den richtigen Weg für mich gefunden, um meine Leidenschaft zum Ausdruck zu bringen.

Ich denke jedenfalls, dass es nicht die perfekte Art und Weise gibt, um sich zu bewegen oder um überhaupt zu sein. Das Leben besteht aus unendlich vielen Variationen. Das macht die Dinge doch gerade so interessant. Was mich betrifft, ist dies auch der eigentliche Grund, warum ich so süchtig bin nach dem, was ich tue.

  1. Inwiefern beeinflusst dein Tanzhintergrund deine Perspektive auf Pole Dance?

Ok, um ehrlich zu sein, muss ich leider zugeben, dass ich nicht die beste Balletschülerin war und auf jeden Fall sehr schwach im Turnen, haha. Ich habe jedoch immer sehr hart trainiert, um besser zu werden, auch wenn ich nicht die beste war. Heute kenne ich meinen Körper sehr gut und kann vieles von dem, was ich damals gelernt habe sehr gut in die Praxis umsetzen. Im Pole Dance habe ich außerdem gefunden, was ich vermutlich den gesamten ersten Teil meines Lebens gesucht habe. Pole Dance ermöglicht es mir mich mit meinem Körper auf eine Weise zu verbinden, wie ich mich nie mit ihm verbunden gefühlt habe, wenn ich einfach nur getanzt habe. Ich habe mich selbst im Pole Dance gefunden und ich verstehe jetzt viel besser, wie ich diese „Hülle“ genießen kann.

Heute kommen Pole Tänzerinnen mit einer Vielzahl an Hintergründen in die Pole Community und dies führt zu einer unglaubliche Varietät an Stilen. Mir gefällt außerdem so gut am Pole Dance, dass die Leute hier so leidenschaftlich sind. Sie sind nicht nur begeistert vom Pole Dance und widmen sich hingebungsvoll dem Training, sondern Pole Tänzerinnen sind auch offen für alle anderen Trainingsaspekte (Tanz, Fitness, Flexibilität, Yoga), nur um besser in Pole Dance zu werden.

  1. Dein Motto ist Avec passion (mit Leidenschaft). Wie behältst du dir deine Leidenschaft und was sind deine größten Pole’spiration Quellen?

Ich bin wirklich sehr, sehr begeistert von Pole Dance. Ich liebe das Training, den Unterricht, die Auftritte, das Ansehen von Videos. Avec Passion bezieht sich aber nicht nur auf Pole Dance, sondern eigentlich auf alles, was ich tue. In meinem Pole Training bedeutet das, dass ich gern andere Trainingsformen untermische. Ich trainiere nicht jeden Tag an der Pole. Ich liebe beispielsweise auch schwimmen. Als mein Mann für den Ironman trainierte, nahm er mich einmal um 7 Uhr morgens mit zum Pool. Seitdem gehe ich jeden morgen schwimmen, wenn ich zuhause bin. Ich liebe es auch zu laufen, zu tanzen, und ich bin absolut verrückt nach Flexibilitäts Training. So freue ich mich jeden Tag, an dem ich mal nicht an der Strange trainiere, wieder auf das nächste Training.

Ansonsten inspirieren mich die verschiedensten Dinge (Zirkus, Tanz, Malerei, Sport, Musik, Theater, …). Etwas konkreter ist meine hauptsächliche Pole’spiration Quelle allerdings Instagram. Und wie ich immer zu meinen Schülern sage, auch sie sind meine größte Inspiration. Auf Instagram folge ich eigentlich hauptsächlich meinen Schülerinnen und Künstlerinnen aus der ganzen Welt. Ja natürlich, Pole Stars sind unglaublich und ich bewundere sie alle, aber wie meine Pole Mama vor 7 Jahren einmal zu mir meinte: „Marion, sieh dir die Leute an, die sich niemand ansieht, weil sie nicht berühmt sind. Sie werden dir eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Kreativität und Vielfalt sein. Und das ist wahr. Also, danke, dass ihr so viel Inhalt teilt. Dank euch nimmt meine Begeisterung für den Pole Sport nie ab.

  1. Hast du jemals an dir gezweifelt und wie hast du deine Angst überwunden?

Hahaha … Wer nicht? Vor allem, als Künstlerin. Ich muss zugeben, dass es über die Jahre besser geworden ist, aber, oh là là, es war wirklich schwer für mich teilweise und vor allem in Wettbewerbszeiten. Lange Zeit habe ich nicht wirklich gewusst was ich tue und wahrscheinlich den ein oder anderen falschen Kampf gekämpft. Doch unsere Fehler machen uns nur stärker und am Ende lernen wir zu verstehen,  was gut für uns ist und was für uns funktioniert. Trotzdem denke ich, dass es keine Regeln gibt, wie man seine Angst oder Selbstzweifel überwinden kann, da wir alle einzigartig sind und anders funktionieren.

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  1. Deine Choreographien sind immer perfekt. Ich habe einen Artikel veröffentlicht, wie man eine atemberaubende Choreografie erstellt. Was ist dein Prozess?

Zunächst musst du sicherstellen, dass du eine Choreografie erstellst, die auch wirklich zu dir passt. Mein Erstellungsprozess beinhaltet viele verschiedene Schritte. Zunächst lerne und trainiere ich viel (wahrscheinlich zu viel sogar manchmal). Wenn ich früher auf die Bühne ging, war ich oft sehr besorgt, dass ich nicht perfekt genug bin. Dann allerdings habe ich gemerkt, dass dies nicht der richtige Weg für mich ist. Jetzt verstehe ich besser, wie ich mich ausdrücken und was ich teilen möchte. Ich liebe Aufführungen, weil sie mich aus meiner Komfortzone holen und stets etwas Magisches passiert. Ich liebe es auch Menschen dabei zu beobachten wie sie Choreografien erstellen und aus Teilen etwas Ganzes erschaffen. Ich fühle mich sehr inspiriert von der Hingabe und den Ideen.

  1. Wie wählst du die richtige Musik für eine Choreografie und was sind deine top drei Songs für das Training im Moment?

Ich liebe Musik und damit meine ich alle Arten von Musik. Ich kann stundenlang Musik hören und meinen besten Quellen sind Soundcloud und YouTube. Es gibt keine richtige Musik für eine Choreografie. Ich glaube, dass es mehr darauf ankommt, was die Musik in dir auslöst und wie sie dich bewegt. Die richtige Musik führt deine Bewegungen.

Ich habe keine ultimative Playlist, aber ich liebe: Chet Faker, Bonobo, Schwarz Atlas, Mansionair, RX Y …

  1. Seit 2012 unterrichtest du im Studio Milan. Was hat das Unterrichten dich gelehrt?

Seit 3 Jahren bin ich eigentlich kaum noch im Studio Milan. Ich reise stattdessen um die Welt, gebe Workshops oder trete auf. Ich habe viele großartige Trainer auf der ganzen Welt kennen gelernt. Zu unterrichten fühlt sich einzigartig und immer wieder überraschend für mich an. Ich liebe es meine Leidenschaft mit anderen Leuten zu teilen und ich empfinde es als unglaublich wertvolle Lebenserfahrung. In meinem Unterricht lerne ich sehr viel über andere Menschen und auch über mich selbst. Außerdem verbindet mich der Unterricht mit Menschen überall auf der Welt. #TogetherIsbetter 

Im Laufe der Jahre habe ich natürlich auch meine Trainingsmethoden als Lehrerin verbessert. Ich glaube allerdings nicht, dass man herausragend oder berühmt sein muss, um Trainerin sein zu können. Im Gegenteil, es gibt so viele unglaublich gute Lehrerinnen da draußen, dass ich jedem nur raten kann bei so vielen unterschiedlichen Trainerinnen zu lernen, wie möglich. 

  1. Was würdest du einer Schülerin, die seit Wochen bei der gleichen Pole Figur festhängt raten?

Das Gefühl festzustecken, zeigt, dass es Zeit für eine Veränderung ist. Wenn ich neue Figu oder Kombinationen übe, dann stelle ich sicher, dass ich diese auch ein paar Mal probieren. Wenn mir diese Figur allerdings nicht innerhalb einer Trainingseinheit gelingt, dann belasse ich es erstmal dabei und versuche etwas anderes. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass unsere Pole Community sehr unterstützend und positiv ist. Wenn es also gar nicht besser wird, dann würde ich online gehen, mir Videos ansehen oder in einem Forum um Hilfe bitten. Wir kennen das doch alle: Ein winziges Detail kann auf einmal alle Probleme lösen. 

  1. Fehlt uns etwas in unserer Pole Community?

Pole Dance ist ein schnelllebige Branche und sie entwickelt sich ständig weiter. Alles hat sich verändert: die Industrie, die Übungsmethoden, aber auch Leute, die dieser Pole Community beitreten haben sich sehr verändert. Ich finde es wahnsinnig spannend all das, was derzeit passiert zu beobachten.

Ich denke nicht, dass uns noch etwas in unserer Pole Community fehlt, aber sicherlich haben wir hier und da etwas auf dem Weg der Veränderung verloren. Ich glaube allerdings, dass das völlig normal ist und in jeder Industrie oder jedem Sektor passiert. Und meist ist Veränderung doch gut.

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Vielen Dank Eat.Pole.Love, dass ich einen Teil meiner Pole Geschichte teilen durfte. Ich freue mich darauf noch mehr mit euch in meinen Workshops, Auftritten oder durch zufällige Momente, die das Leben manchmal so bringt zu teilen. Man weiß ja nie. Avec Passion.