Steffi ist meine Pole Trainerin und ich kenne sie inzwischen seit fast zwei Jahren. Ich bin gewissermaßen mit Steffi’s Polesport Studio mit gewachsen und fühle mich aus diesem Grunde ganz besonders mit ihr verbunden.
Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Steffi sich trotz ihres vollen Terminkalenders ein paar Minuten Zeit genommen hat, uns all das zu beantworten, was wir schon immer einmal wissen wollten.

1.      Wie hast du mit dem Pole angefangen?

Lustigerweise habe ich das erste Mal bei einer Reportage im Spiegel TV von Pole Sport gehört. Ich war damals auf der Suche nach einem Sport in Berlin und fand Pole auf Anhieb cool und interessant. Ich habe mich dann nach Trainern auf die Suche gemacht, die Pole Sport auch wirklich als Sport anbieten. Auf die erotische Schiene hatte ich schon damals keine besonders große Lust. So bin ich bei Cindy und Cindy’s Pole Dance gelandet.

2.      Was lässt dich dem Pole Sport treu bleiben?

Auf jeden Fall die stetige Herausforderung. Es wird einfach nie langweilig. Immer gibt es neue Figuren zum Ausprobieren und ich hasse Monotonie. Nebenbei mache ich ja noch Kampfsport, aber das ist nicht die gleiche Art von Herausforderung wie im Pole. Hier fordere ich mich ganz alleine raus. Mich und meinen Kopf. Pole ist pure Körperbeherrschung. Ständig muss man sich überwinden und es gibt immer wieder Figuren, da sage ich mir: Never ever! Du bist 31 Jahre alt, niemals wirst du die noch schaffen. Mit deinen 31 Jahren wirst du jetzt nicht noch großartig akrobatisch oder gelenkig werden – vergiss die Figur. Dann trainiere ich weiter, mache andere Sachen und auf einmal entwickel ich so ein Gefühl, dass ich die Figur doch noch einmal probieren könnte. Wenn die Figur dann klappt, das ist reiner Stolz. Dann denke ich nur so: Yeah! Wow, dass du das noch geschafft hast. Nichts hält mich dann noch zurück. Für dieses Gefühl liebe ich den Pole Sport.

3.      Wie würdest du deinen Pole Stil beschreiben?

Auf jeden Fall sportlich. Ich bin eher Kraft fokussiert und keine besondere Grazie. Ich bin auch von Natur aus nicht die Biegsamste, deswegen liegen mir kraftvolle Figuren mehr.

4.      Womit motivierst du dich, wenn du mal nicht weiterkommst?

Mein Tipp: Erstmal wieder eine andere Figur machen. Jede Figur braucht ihre Zeit. Ich sage mir auch immer, dass jede Figur ihren Zeitpunkt hat. Man braucht Muskeln und Flexibilität für eine Figur. Wenn ich etwas auf Anhieb nicht schaffe, sehe ich das ganz entspannt. Dann probiere ich erstmal wieder andere Figuren aus oder wiederhole eine alte. Währenddessen arbeite ich weiter an meiner Kraft und Flexibilität und dann kehre ich zu meiner Figur zurück und probiere es noch einmal. Für mich ist der Janeiro beispielsweise eine verflixte Übung. Ich habe den erst ein einziges Mal geschafft. Da bin ich an die Stange und dachte: Ich habe jetzt irgendwie total Lust den Janeiro zu machen. Es wäre cool, wenn der jetzt klappt und -zack- war ich im Janeiro. Seitdem habe ich ihn nicht wieder gemacht, aber ich weiß, das kommt wieder. So lange übe ich am Iron-X, haha.

5.      Wo holst du dir Inspiration?

Also auf keinen Fall mehr von Videos. Diese ganzen Videos habe ich mir abgewöhnt. Hin und wieder sehe ich mir noch Videos auf Facebook an, aber im Allgemeinen finde ich die demotivierend. Es sind einfach zu viele und dann machen alle immer ihre Spezialtricks in diesen Videos. Dann gibt es immer diese Figuren-Hypes und auf einmal machen alle das Gleiche. Währenddessen gehen andere Figuren völlig verloren. Videos sind ja ganz schön, aber für mich oft völlig unrealistisch. Ich hole mir meine Inspirationen lieber aus Workshops. Leute, die ich toll finde, lade ich in mein Studio ein und dann lasse ich mich inspirieren. Zum Beispiel Contempoleary von Shaina Cruea hat mich inspiriert. Für mich war Pole am Anfang reiner Sport und das tänzerische am Pole habe ich regelrecht gemieden. Shaina’s Contempoleary Workshop-Stunde hingegen hat meine Perspektive völlig verändert und seitdem fange ich an mich immer mehr auch an tänzerischen Kombinationen zu versuchen.

Knies

6.      Drei Lieder aus deiner Erfolgs-Playlist

Skunk Anansie, Alanis Morissette, Metallica (Das war auch mein erstes Performance-Lied)

7.      Was hat dich dazu bewegt ein Pole Studio zu eröffnen?

Ich hatte keine Lust mehr auf den Getränkehandel. Ich wollte eigentlich eine Bar aufmachen, hatte schon den Cocktailschein und was man alles so braucht. Ich hatte wirklich schon alle meine Papiere zusammen gesammelt, als ich einen Raum für die Bar besichtigt habe und dachte: Meine Güte, das wäre das perfekte Pole Studio. Der Raum war als Bar völlig ungeeignet, aber als Pole Studio konnte ich mir ihn richtig gut vorstellen. Seitdem ist der Gedanke an ein eigenes Studio immer mehr in mir gewachsen. Warum sollte ich nicht mein Hobby zum Beruf machen? Ich habe meine ersten Polestunden dann zunächst in einem kleinen Hinterzimmer des Getränkehandels meines Mannes gegeben. Ich hatte nur drei Schüler und trotzdem habe ich begonnen nach einem schönen Ort für mein Studio Ausschau zu halten. Ich hatte bis dahin selbst erst seit einem Jahr Pole gemacht und natürlich oft an meinem Vorhaben gezweifelt. Was, wenn Schüler zu mir kommen, die viel besser sind als ich? Bin ich überhaupt schon professionell genug? Rückblickend hat sich alles wunderbar gefügt.

8.      Was gibst du Menschen mit auf den Weg, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen?

Ich bin ganz ehrlich. Ich hatte gewiss ein halbes Jahr lang schlaflose Nächte. Würde ich alles finanzieren können? War das hier nicht alles eigentlich reiner Wahnsinn? Hinzu kommt, dass man unglaublich viel Zeit aufbringen muss. Die Arbeit endet ja keineswegs außerhalb des Studios. Ich muss sehr viel Zeit vor dem Computer verbringen E-Mails beantworten, Workshops planen, meine Webseite in Stand halten etc. Selbstständig zu sein kostet einfach vieeeel Zeit und Energie. Vor allem an Energie, solltest du eine große Packung mitbringen, wenn du dich selbständig machen willst. Wenn du das hast, dann tu es. Keiner sollte sich sein Leben lang über seinen Job ärgern. Das Schlimmste, was hier in Deutschland passieren kann, ist doch dass du Pleite gehst und dann ist unser soziales Auffangnetz übergangsweise für einen da. Aber man braucht gute Nerven.

9.      Was ist für dich das Besondere am Trainer-Sein?

Ich liebe meinen Job! Ich finde es absolut toll, wenn du siehst, wie die Leute schüchtern und unsicher in deinen Kurs kommen. Du siehst, wie sie denken, dass sie das alles nicht schaffen, dass sie diese Stange niemals hoch kommen werden und was sie hier eigentlich tun. Dann fangen ihre Gesichter an zu leuchten, wenn sie das erste Mal die Stange hochklettern und es schaffen die Decke zu berühren. Es geht mir nicht nur darum Leute sportlich zu machen, sondern auch darum das Selbstbewusstsein aller Menschen zu steigern. Ich liebe meinen Job, weil die Leute glücklich aus meinem Studio gehen, trotz all der blauen Flecken und Schürfwunden und auch immer wieder glücklich herkommen. Und genau wie man selbst, sagen sie erst Oh Gott und dann Cool.
Pole Sport ist doch eigentlich wie Achterbahn fahren. Erst denkt man: Niemals, ich will hier raus – Aaaaaah, und dann: Man war das cool, ich will nochmal. 

10.      Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Oh Gott, SO viel. Ich plane ein deutsches Pole Sommer Camp an der Ostsee (und schaue mich schon nach geeigneten Orten um – psssst). Ich will außerdem in ein größeres Studio umziehen, meine Ausbildung vertiefen und noch viel mehr Leute fit und selbstbewusst bekommen.

Marion Amber