Nach meiner ersten Pole-Stunde bin ich nach Hause gegangen und habe mir auf YouTube mal ein paar Pole-Videos angesehen. Ich wollte einen besseren Überblick darüber bekommen, was ich da eigentlich gerade bei war zu lernen und wo ich mich in ein paar Jahren vielleicht befinden könnte. Mein erster Treffer war ein Video von Natasha Wang und ohne allzu dramatisch klingen zu wollen – das war der Moment, in dem ich beschloss, dass ich absolut und unbedingt gut in Pole werden wollte. Ich war auf Natasha’s „Poleart 2013“ Video gestoßen und ich war sofort hin und weg. Ich schaute es wieder und wieder, zeigte es allen Freunden und Verwandten und versicherte allen, dass das ja der Sport war, den ich gerade angefangen hatte und das ich definitiv in ein paar Jahre auch so stark und grazil aussehen würde.

Vermutlich seid ihr mit Natasha’s Hintergrund gut vertraut, aber ich will euch trotzdem ein paar Eckdaten liefern. Natasha kam zufälligerweise durch eine Freundin zum Polesport, die sie 2005 mit in eine Stunden nahm. 2008 wechselte Natasha in ‚Leigh Ann Reilly’s Be Spun‘ Studio und begann nun regelmäßig jeden Tag für ein paar Stunden zu trainieren. 2010 gewann Natasha ihren ersten Preis als ‚Miss Pole-AM 2010‘. Seitdem ist sie in vielen unterschiedlichen Projekten beteiligt, reist um die ganze Welt und gibt all denen Workshops, die sich trauen.

Ich bin wirklich aufgeregt euch dieses Interview mit Natascha Wang zu präsentieren. Hoffentlich beantwortet sie einige der Fragen, die ihr ihr auch schon immer einmal stellen wolltet:

  1. Ich habe gehört, dass du dein Pole Training sehr langsam angegangen bist und erst nach vier Jahren das erste Mal den Butterfly probiert hast. Was rätst du einem Poleanfänger heute?

Ich habe vier Jahre für den Schmetterling gebraucht, weil ich, bevor ich bei ‚Be Spun‘ angefangen habe, gar keine Ahnung hatte, dass der Schmetterling als Figur existiert. Als ich vor 10 Jahren mit dem Polesport begann, reichte es uns ein paar Spins, hübschen Übergänge oder sexy Bodenübungen zu üben. YouTube gab es noch gar nicht – so lange ist das schon her. Wir hatten auch keine anderen Social Media-Plattformen, um neue Tricks und Ideen zu teilen. Das ist jedenfalls der Hauptgrund, warum mein Fortschritt am Anfang so langsam war. Aber ich bin froh, dass es so war! Ich habe keinen Gymnastik oder Tanzhintergrund, aber ich habe meine frühen Polejahre damit verbracht zu lernen, wie man sich bewegt: das Gefühl, die Musik und vor allem Freestyle. Diese Fähigkeit ist mir mit den Jahren noch sehr zugute gekommen.

Es ist wirklich schwierig heute Pole TänzerInnen zu ermutigen es langsam anzugehen, denn der Sport entwickelt sich in solch einem schnellen Tempo. Es ist jedoch unglaublich wichtig für Anfänger gerade die Grundübungen solide zu beherrschen bevor sie sich an schwierigere Moves wagen. Nicht nur aus Gründen der Sicherheit (obwohl dies ein sehr wichtiger Punkt ist !!!), aber so können sie besser lernen einen eigenen Bewegungsstil zu entwickeln. Einen eigenen Bewegungsstil zu entwickeln geschieht nicht über Nacht. Es kann Jahre an Tanz, Unterricht und Freestyle dauern bis man den entdeckt. Ich würde aber fast sagen, dass ein eigener, einzigartiger Stil viel wichtiger  ist, als das Meistern neuster Tricks.

  1. Jeden Tag zu trainieren verlangt ein großes Maß an Hingabe. Gab es nie einen einzigen Moment in deinem Leben, wo du daran gedacht hast mit Pole aufzuhören? Wie hast du es geschafft dich stets zu motivieren?

Ich habe noch nie ans Aufhören gedacht. Es gibt definitiv Tage, an denen ich eine schlechte Trainingseinheit erlebe oder entmutigt bin, weil mein Körper nicht das tut, was mein Verstand will. Aber ich bin immer noch am glücklichsten, wenn ich im Studio bin. Für meine Motivation habe ich eine Menge Pole-Trainings-Freunde in Los Angeles und auch auf der ganzen Welt. Also, wohin ich auch gehe, versuche ich stets so viele Jams und Trainings mit anderen Menschen zu planen wie möglich. Ich teile gern meine Fähigkeiten mit meinen Freunden und Kollegen und solange wie ich neue Bewegungen entdecke und das Gefühl von Kreativität und Kreation spüre, bin ich glücklich.

  1. Was denkst du ist die perfekte Balance zwischen Dehnung, Kraft- und Poletraining? Hast du Übungen oder alternative Sportarten, die du zusätzlich zum Poletraining als Disziplin empfiehlst?

Das ist eine schwierige Frage! Jeder ist anders und reagiert anders auf Trainingsprogramme. Ich dehne mich in der Regel 2 Mal pro Woche, Cardio / Krafttraining 1-2 Mal pro Woche, Hand-Balancing 1 Mal pro Woche und Pole 5 Tage die Woche. Vor kurzem überredete mein Verlobter mich mit Yoga zu beginnen, sodass ich jetzt noch 4-5 mal die Woche mit Anfänger-Yoga-Kursen begonnen habe. Der Tag hat wirklich nicht genug Stunden, damit ich all die Kurse machen kann, die ich gern besuchen würde.

Um sicherzustellen, dass ich mein Training auch wenn ich unterwegs bin nicht vernachlässige, absolviere ich online-HIIT/Tabata Kurse auf Crosstrain, Yoga-Stunden auf bei Yogaworks und stretchd mich mit meinen Fit and Bendy Flexibility Training DVDs.

Für mich bedeutet die „perfekten Balance“ genügend Zeit und Energie für die Pole zu haben (denn der einzige Weg, um gut in Pole zu werden, ist natürlich auch so viel wie möglich an der Stange zu sein). Alles andere, also die Flexibilitäts-Einheiten, der Kraft-/Ausdauersport, die Handstandübungen, sind nur Ergänzungen zum Pole. Yoga hilft mir den Geist zu beruhigen und eine sanfte Yoga-Klasse nehme ich beispielsweise an den Ruhetagen.

  1. Was war deine verrücktesten Pole Erfahrung? Was ist passiert?

Auf jeden Fall 2011, als ich nach New York City geflogen bin und bei The View erschienen. Ich hatte gerade die US Pole Dance Championships hinter mir und Barbara Walters beim Pole Dancen zu sehen war definitiv eine Erfahrung!

PoleArt5-1024x682

  1. Was sind deine drei Lieblings-Pole-Songs im Moment?

Red Eyes by The War on Drugs
Caribou by Tanya Tagaq
Two Weeks by Grizzly Bear

  1. Du bist immer viel unterwegs. Was kannst du über Pole Dance in den verschiedenen Ländern sagen?

Es gibt auf jeden Fall mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Aber allgemein gesagt, in Bezug auf Pole Stile ist Australien für sexy, flirty und Spaß bekannt; Japan für unglaubliche Geschwindigkeit und schnelles spin-polen; nordischen Ländern sind artistisch und anmutig; Frankreich ist verführerisch und leidenschaftlich; Russland ist diszipliniert und furchtlos; in Amerika lieben wir Innovation und wir nähern uns Pole mit einem Sinn für Demokratie und Humor. Dies sind natürlich sehr starke Verallgemeinerungen. Wie ich schon sagte, gibt es mehr Gemeinsamkeiten – denn global vereint uns letztendlich doch alle unsere gemeinsame Liebe für Pole.

  1. Wie achtest du auf deine Work-Life-Balance, wenn du auf Tour bist? Hast du etwas, dass dir hilft dich immer Zuhause zu fühlen?

Es ist sehr schwer die Work-Life-Balance zu halten, wenn man auf Tour ist. Mein Halt ist mein Verlobter Brett, mit dem ich jeden Tag skype. Man könnte also sagen, dass mein Laptop mir das Gefühl gibt Zuhause zu sein, denn er verbindet mich mit Brett.

  1. Was ist dein Super-Food?

Es ist schwer alle Nährstoffe zu bekommen, die ich brauche, gerade wenn ich auf Tour bin. Wenn ich reise, bin ich also süchtig nach dem Vega One Nutritional-Shake. Es ist ein veganes Protein-Pulver, das massenweise Antioxidantien, Vitamine, Mineralstoffe und Omega-3 Fettsäuren enthält. Ich esse außerdem haufenweise Mandeln. 

  1. Wo lässt du dich inspirieren?

Überall. Filme, Kunst, Musik, Reisen, Instagram, Facebook, meine Katzen.

  1. Wer ist dein geheimer Pole-Schwarm?

Ich liebe alles, was Yvonne Smink, Kapi Huria, Olga Trifonova und Yulia Bozina derzeit machen.

  1. Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Solange weiter zu unterrichten und aufzutreten, wie mein Körper es zulässt. Dann möchte ich mich endlich niederlassen und diese Kinder haben, die ich meinem Verlobten versprochen habe. 

Natasha_7-1024x682

Vielen Dank, Natasha!

Alle Bilder sind von Natasha Wang’s Webseite