Realitäts-Check: Wie sieht es eigentlich mit unseren Vorsätzen für 2015 aus? Warum wir vielleicht noch nicht da sind, wo wir gern sein wollen und warum wir noch schnell Vorsätze machen sollten, wenn wir uns noch nichts vorgenommen haben.

Es ist Ende April. Die ersten vier Monate in 2015 sind beinahe vorbei und ich, die sich dieses Jahr ganz viel fest vorgenommen hat, muss sich eingestehen, dass die Zeit wirklich wie im Flug vergeht. Herrje.
Ich persönlich liebe ja Vorsätze und nehme immer wieder diverse Punkte in meinem Leben zum Anlass, um mir neue Sachen vorzunehmen. An meinem Geburtstag beispielsweise mache ich Vorsätze, da ich ja jetzt älter und weiser bin. Zu jedem Schuljahresbeginn habe ich früher Vorsätze gemacht und fest geglaubt, dass ich diese Klasse nun vielleicht mal etwas stressfreier und strebsamer absolvieren würde. Zu Silvester natürlich schreibe ich passioniert Listen mit Vorsätzen und zu allen anderen Gelegenheiten, die sich mir noch so bieten.
Viele Leute verurteilen Vorsätze und sehen diese als reine Frustrationsquellen. Ich hingegen finde Vorsätze geradezu essentiell. Keine Vorsätze (oder anders: Ziele) zu haben ist ja gerade so, als würde man sich auf eine Reise begeben ohne den Willen jemals anzukommen. Man braucht Ziele, um strukturiert an sich oder seinen Umständen arbeiten zu können und wer sich nie Ziele gesetzt hat, kann auch nie das positive Gefühl erleben endlich etwas erreicht zu haben. Ich denke, wenn man sich nichts vornimmt, dann aus Angst von sich selbst enttäuscht zu sein. Aber man muss sich täglich seinem inneren Schweinhund stellen und sich, auf die Gefahr hin zu versagen, täglich neu herausfordern.

Wie setzt man sich Ziele, um ganz sicher Enttäuschungen zu vermeiden?

1. Sei ehrlich mit dir selbst: Man hat es schon tausend Mal gehört; es ist nun wirklich kein Geheimnis und doch ist dies einer der Hauptgründe warum so viele Leute an ihren Vorsätzen scheitern. Vorsätze sind ein Pakt zwischen dir und deinen Träumen. Du musst niemandem etwas vormachen und niemanden beeindrucken. Dein Vorsatz ist ganz allein für dich. Wenn du also beispielsweise ein absoluter Sportmuffel bist, dann nimm dir nicht gleich vor fünf mal die Woche ins Fitnessstudio zu sausen. Das wirst du nicht schaffen und die Frustration wartet direkt um die Ecke. Wenn du steif wie ein Brett bist, dann nimm dir nicht vor bis nächsten Monat den Spagat zu können. Es wird dich umhauen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass du dies schaffst, ist ausnehmend gering. Deine Vorsätze müssen niemandem etwas beweisen und sind dein kleines Geheimnis.

2. Ein Schritt zum Ziel nach dem anderen: Habe Kurzzeit- und Langzeitvorsätze. Optimalerweise unterstützen dich die Kurzzeitziele auf dem Weg zur Meisterung deines Langzeitziels. Um beim Sportbeispiel zu bleiben: Nimm dir vor diesen Monat noch mit den Händen die Fußspitzen zu erreichen und im nächsten Monat vielleicht den Kopf aufs Knie zu bekommen. Dein Langzeitziel ist ganz klar der Spagat, aber akzeptiere, dass der Weg dorthin vielleicht noch weit ist. Setze dir außerdem nicht drei und vier ähnlich schwierige Langzeitziele gleichzeitig. Nimm dir nicht vor bis zum Sommer 10 Kilo abgenommen zu haben, einen Marathon zu laufen und in den Spagat zu kommen. Das wird dich überlasten und daran hindern an einem Ziel ehrgeizig und erfolgreich zu arbeiten.

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3. Formuliere klare Ziele: Gelenkigkeit ist kein Ziel, was du jemals erreichen kannst. Gelenkigkeit kann sehr unterschiedlich definiert werden und es wird immer Möglichkeiten geben, wie du noch gelenkiger sein könntest oder Menschen, die noch gelenkiger sind. Du wirst mit solch einem Ziel niemals das Gefühl haben angekommen zu sein. Wieder, in den Spagat zu kommen hingegen ist ein klares Ziel. Du wirst merken, wenn du es erreicht hast und du kannst stolz auf dich sein.

4. Justiere Ziele nach: Wenn du ein Ziel nicht in deinem abgestecktem Zeitraum erreichst, sei nicht so hart mit dir. Vielleicht hast du unterschätzt, wie herausfordernd es sein würde deinen Vorsatz einzuhalten. Das heißt aber noch lange nicht, dass du gescheitert bist. Gescheitert bist du erst, wenn du frustriert aufgegeben hast und auch dann kannst du ja immer noch wieder von vorn beginnen.

Wie steht es aber nun mit unseren Resolutionen (sollten wir, hoffentlich, welche gemacht haben)?
Variante 1: Du hast keine Idee  mehr, was du dir zu Silvester nach zwei Gläsern Sekt eigentlich vorgenommen hast. Ergreife jetzt die Initiative und formuliere konkrete Vorsätze für dich. Es hilft dir, dich mit dir selbst zu beschäftigen und zu hinterfragen, was du eigentlich möchtest und wo du eigentlich hin willst. Wichtig auch, schreibe deine Vorsätze auf, sodass du immer wieder nachgucken kannst, was du eigentlich schon erreicht hast und nachjustieren kannst, wenn du nicht mehr ganz in die richtige Richtung gehst.
Variante 2: Du wünschtest du hättest deine Vorsätze vergessen. Stattdessen denkst du frustriert daran, was du mal wieder alles nicht erreicht hast. Sieh dir hierzu deine Vorsätze unter den oben genannten Gesichtspunkten noch einmal kritisch an und formuliere ggf. in Kurz- und Langzeitziele bzw. klarere Ziele um. Akzeptiere außerdem das auch der Weg ein Teil deines Zieles ist. Niemand kann am Ende sein ohne vorher den langen Weg von seinem Ausgangspunkt beschritten zu haben. Sei nett zu dir. Überleg nochmal genau, ob du wirklich GAR nichts geschafft hast oder ob du vielleicht nur die kleinen Fortschritte nicht gelten lässt. Klopf dir auf die Schulter für jede winzige Hürde, die du gemeistert hast.
Variante 3: Du hast schon sieben deiner 10 Langzeitziele erreicht? Ach, du lügst doch, du alter Übertreiber. Nein, im Ernst. Du hast vermutlich alles richtig gemacht bei der Formulierung deiner Ziele und bist ein sehr ehrgeiziger Mensch. Gratuliere dir zu dieser seltenen und äußerst wertvollen Charakterprägung.

Was sind eure Ziele für 2015 und wieweit seit ihr von deren Erreichung entfernt? Habt ihr noch ein paar persönliche Tipps, wie man seine Ziele besser einhalten kann?

(Photo by BecWonders/photocase.com)