Es gibt verschiedenste Anlässe für eine Pole-Choreografie. Vielleicht planst du einen Auftritt, vielleicht nimmst du an einem Wettkampf teil, vielleicht möchtest du auch einfach für dich selbst mal eine Choreografie zusammenstellen.

Wettkampf/Auftritt hin oder her, ich empfehle dir auf jeden Fall früher oder später in deiner Pole-Karriere mal eine richtige Choreografie zu erstellen. Eine Choreografie hat viele Vorteile und wird dich in deinem Training weit voran bringen. Sie stärkt zunächst einmal deine Kondition an der Stange. Mit Kondition meine ich hierbei nicht nur deinen ‚Atem‘, obwohl du feststellen wirst, dass dich eine Choreografie ordentlich ins Pusten bringt. Auch deinen Muskeln wird während einer Choreografie Kondition abverlangt. Wenn du sonst vielleicht deine Moves isoliert an der Stange trainierst, dann wird es eine völlig neue Herausforderung für deine Muskeln sein auf einmal 2-3 Moves hintereinander zu absolvieren. Eine Choreografie erfordert außerdem Koordination, Konzentration und die Fähigkeit zur Improvisation unter Stress. All diese Fähigkeiten sind nicht zu vernachlässigen, auch wenn du erstmal Pole nur privat für dich betreibst. 

Im ersten Teil von Tipps und Tricks für eine atemberaubenden Pole-Choreografie helfe ich dir die richtige Musik auszuwählen, zu entscheiden, ob du statisch oder spinning wählst und durch Improvisation die essentielle Basis für eine atemberaubende Choreografie zu schaffen. 

Los geht es!

1. Finde die passende Musik

Musik ist das A und O bei deiner Choreografie und es ist unabdingbar, dass du dich mit deiner Musik richtig wohl fühlst. Ich selbst habe kurz vor einem Auftritt noch einmal meine ganze Choreo umgeworfen, weil ich mit der Musik einfach nicht warm geworden bin. Ich habe dann die Musik gewechselt und mehr Trainingserfolge in kurzer Zeit erzielt, als in der gesamten Zeit davor. 

Was ist also die richtige Musik?

Die richtige Musik ist Liebe auf den ersten Blick. Wenn du sie hörst, fallen dir direkt 2-3 Moves ein, die du dazu gut performen könntest, dein Tanzbein juckt und du willst sofort mit Pole loslegen. Du solltest außerdem kein Problem haben das Lied voraussichtlich 100 Mal rauf und runter zu hören. 

Zeit: Die Länge des Musikstückes spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Auswahl der richtigen Musik. Wenn es deine erste Choreografie ist, würde ich ein Lied empfehlen, das ca. 3 Minuten lang ist. Fortgeschrittenen würde ich Stücke von 3,5 bis 4,5 Minuten empfehlen. Je geübter du bist, desto längere Musikstücke kannst du natürlich auch wählen und erfolgreich durchhalten. Du wirst schnell merken, dass sich ein Lied ganz schön in die Länge ziehen kann. Unterschätze nicht, wie anstrengend eine Choreografie ist und lege besser 3 atemberaubende Minuten hin, als 5 gequälte. Dein absolutes Oberlieblingslied geht aber 7 Minuten? Hör doch einmal rein, ob du es nicht irgendwo kürzen kannst.

Tempo: Natürlich ist jeder Musikgeschmack unterschiedlich und wir kennen auch von den Profis die unterschiedlichsten Musikstile. Trotzdem empfehle ich dir als Anfänger, innerhalb deines bevorzugten Musik-Genres, zum Beginn eine ruhigere Musik mit gegebenenfalls schnelleren Passagen. Wenn ein Lied zu schnell ist, kommst du vielleicht in die Situation Moves unsauber auszuführen, hinter dem Takt herzuhinken oder einfach in der Mitte der Choreografie deine Ausdauer zu verlieren. Ein Lied, welches sich im Tempo abwechselt, bietet dir eine gute Möglichkeit Akzente durch Signature Tricks oder Spins zu setzen. Ein Lied, welches keinen zu deutlichen Takt vorgibt, erleichtert dir außerdem die Improvisation. Solltest du einen Move ‚verpatzen‘ oder vergessen, kannst du dann ganz spontan Bewegungen und Moves ausführen ohne dich im Stress der Improvisation noch um Taktgenauigkeit kümmern zu müssen. Auch dein Patzer, der dich aus dem Takt bringt, fällt gegebenenfalls weniger auf. 

Hier sind ein paar Musik-Vorschläge, zu denen ich selbst bereits getanzt habe: 

Something More ist aus einer Choreografie von Doris Arnold, You & MeBendy Kate, DiferenteOona Kivela

2. Entscheide dich für statisch oder spinning

Keine Entscheidung ist unumstößlich, aber es wichtig erstmal zu entscheiden, ob du deine Choreografie auf statisch oder spinning auslegst. Wettkämpfe setzen sowohl statische, als auch gespinnte Moves voraus. Wenn du dich also auf einen Wettkampf vorbereitest ist dieser Schritt für dich nur in sofern wichtig, als du dir bereits überlegen könntest, welche Moves du statisch und welche du im spinning Modus ausführen möchtest. 

Allgemein ist der Unterschied zwischen statisch und spinning größer als viele denken und auch du hast gewiss bereits eine Präferenz aus deinem bisherigen Training. Ich rate dazu bei den ersten Choreografien jenen Modus zu wählen, in welchem du dich bereits wohler fühlst. Die Choreografie fordert dich auch so auf vielfältigste Weise heraus – mach dir das Leben etwas leichter und wähle zumindest zum Anfang den bekannteren Modus. Wenn die alten Tricks auf einmal im anderen Modus nicht mehr gelingen, kann das sehr frustrierend sein und du könntest gegebenenfalls unnötigerweise den Spaß verlieren. Wenn du erneut eine Choreo einstudierst, dann nimm doch die zusätzliche Herausforderung des ungewohnteren Moduses an. 

3. Improvisation

Du hast ein passendes Lied, du hast dich für einen Modus entschieden – als nächstes rate ich dir, dich intensiv mit dem Lied auseinander zu setzen und frei Bewegungen entstehen zu lassen.

Höre dein Lied zunächst ein paar Mal ohne dazu zu tanzen oder zu polen. Achte auf Tempiwechsel, Pausen, Lautstärkeveränderungen, usw. Kurz, achte auf all die kleinen Anhaltspunkte, die es dir später in deiner Choreografie ermöglichen dich zu orientieren. Du solltest dein Lied auswendig können und genau wissen, an welcher Stelle im Lied du dich gerade befindest, was gerade vorbei ist und was gleich anschließen wird. Dieser Umstand ist essentiell, damit du, falls du aus deiner Choreografie ‚fällst‘, improvisieren kannst und trotzdem deinen Einsatz wiederfindest.

Wenn du mit deinem Lied vertraut bist, bewege dich an der Pole dazu. Spüre die Musik und lass dich von ihr zu Bewegungen inspirieren. Schließe ruhig die Augen bei deiner Improvisation, lass dich vollkommen auf die Musik ein. Es ist hierbei überhaupt nicht wichtig, dass irgendeine Bewegung bereits sitzt oder elegant aussieht. Aus Fehlern entstehen manchmal die schönsten Kombinationen und es geht vielmehr darum, dass du, wie Natasha Wang bereits erwähnte, deinen eigenen Stil findest. Wenn dir eine Bewegungskombination gut gefällt, schreibe dir diese gleich auf. Für mich hat sich außerdem am Besten bewährt zunächst einmal mit Tanz und Floorwork zu beginnen und erst anschließend immer mehr Pole Tricks in meine Improvisation einzubauen. Gerade, wenn du allerdings bereits weißt, welche Tricks du in deine Choreografie einbauen möchtest, bietet es sich an, diese auch schon in deine Improvisation aufzunehmen. 

Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig der Schritt der Improvisation ist. Eine Choreografie wird dann besonders individuell und ausdrucksstark, wenn sie auch wirklich dich repräsentiert. Tappe nicht in die Falle Trick an Trick zu hängen und zu glauben, dass du das Publikum mit den schwersten Moves beeindrucken musst. Viel wichtiger ist, dass deine Bewegungen mit der Musik im Einklang sind und nicht aufgesetzt wirken.

Tracee Kafer ist meine persönliche Improvisations-Meisterin. Schau dir ihre Videos mal an, um vielleicht besser zu verstehen worauf ich hinaus will.

Choreographie 1

Ich hoffe die Tipps haben dir geholfen. Morgen geht es weiter mit dem zweiten Teil von Tipps und Tricks für eine atemberaubenden Pole-Choreografie. Wenn du Fragen hast, hinterlasse mir einfach einen Kommentar und ich helfe dir gern weiter. 

Viel Spaß!