Dies ist der zweite und letzte Teil von Tipps und Tricks für eine atemberaubende Pole Choreografie. Im ersten Teil habe ich euch Anregungen gegeben, wie ihr das perfekte Lied für euch auswählt, wie ihr euch für statisch oder spinning entscheidet und wie ihr mit einer guten Improvisation die Basis für eine atemberaubende Pole Choreografie schafft.

In diesem Teil werde ich euch helfen die richtigen Pole Figuren auszuwählen, eure Choreografie gut zu strukturieren und verrate ich euch noch ein paar allgemeine Tipps und Tricks.

Ich wünsche euch auch mit diesem Teil ganz viel Spaß und los geht’s! 

4. Die richtigen Pole Figuren 

(Ich beziehe mich in diesem Abschnitt nur auf nicht-Wettkampf Choreografien, da Wettkämpfe meist Pole Figuren vorgeben, die zu absolvieren sind.)

Der oberste Leitsatz bei der Auswahl der richtigen Pole-Figuren lautet Weniger ist mehr. Viele erliegen dem Irrtum, dass man nur mit tollkühnen Tricks beeindrucken kann. Im Gegenteil ist es jedoch viel wichtiger deine Choreografie von Anfang bis Ende sauber und mit einer, zumindest augescheinlichen, Leichtigkeit auszuführen. Wenn die Auf-, Ab- oder Übergänge nicht ordentlich vollzogen werden, dann wird automatisch jeder (und egal wie toller) Trick im Anschluss abgewertet. Vielen denken, sie müssten etwas ‚bieten‘ und ich gebe ehrlich zu, dass ich anfänglich selbst an meine Choreografien so herangetreten bin. Wer will denn schon einen ‚alten‘ Leg Hang sehen, den ja nun wirklich jeder mittel-fortgeschrittene Poler kann? Sollte man nicht lieber mit einem Aysha imponieren? Meine Antwort darauf lautet vermutlich Nein. Du solltest in deiner Choreografie Figuren verwenden, die du gut bis sehr gut beherrschst. Wähle keine Tricks, die dir nur manchmal gelingen oder die du gerade erst lernst. Wie ich am Anfang gesagt habe, fordert eine Choreografie dich und deine Muskeln ganz neu heraus. Sei nett zu deinem Körper und verlange ihm unter dieser zusätzlichen Belastung wenigstens Figuren ab, die ihm bekannt sind. Außerdem gibt es doch, auch rein psychisch, nichts schlimmeres, als wenn eine Figur während des Auftrittes nicht gelingt. 

Vergiss außerdem nicht, dass sich dein Publikum gegebenfalls nicht aus Pole-kundingen Leuten zusammensetzt. Du wärst erstaunt, was für ‚einfache‘ Figuren manchmal für Eindruck schinden, wo hingegen Übungen, an denen du ein halbes Jahr verzweifelt bist, gar nicht so imposant wirken. In einer Choreografie geht es auch weniger um die einzelne Figur, als vielmehr um die Stimmigkeit von allem, was du zeigst. Mach dir dies wirklich bewusst. Umwerfender Trick nach umwerfendem Trick wirkt unter Umständen weniger, als wenn du schöne und solide Figuren zeigst und dann ein oder zwei Akzente mit wahren ‚Schocker-Figuren‘ setzt. Und nichts macht eine Choreografie so atemberaubend, wie wenn du dabei Spaß zeigst und ausdrucksvoll bist. Ausdruck kannst du allerdings nur in deine Figur legen, wenn du darin sicher bist und dich wohl fühlst. Wenn du also kein Aysha-Profi bist, dann gib doch dem guten ‚alten‘ Leg Hang noch eine Chance. 

Ein gutes Beispiel für mein Argument ist Shaina Cruea. Shaina ist ohne Frage eine Pole-Göttin und unglaublich talentiert, doch ihr Choreografien bestechen oft mit einem relativ schlichten Repertoire an Übungen. (Natürlich immer noch zu hoch für uns Normalsterblichen, aber beispielsweise im Vergleich mit einer Yvonne Smink oder Natasha Wang.) Shainas Choreos sind dafür stets mit unglaublicher Leichtigkeit und tänzerischer Eleganz ausgeführt. Sie kostet ihre Figuren regelrecht aus und nimmt sich Zeit. Das bewundere ich zutiefst.

Notiere dir die Übungen, die du gern in dein Choreografie einbauen möchtest und, außer du baust dir eine Choreografie nur für dich selbst, bitte schreibe keine Figuren auf, die du erst noch lernen musst. Das bringt dich gegebenfalls in extreme Zeitnot und kann sehr frustrierend werden.

Hier noch ein paar Quellen, wo du dir schöne Inspiration zu deinen Figuren holen kannst:

Pole Dance Dictionary 

Aerial Amy – (englisch) Dieser Blog erklärt sehr präzise, wie eine Figur richtig ausgeführt wird. Außerdem kannst du  dir schöne Inspirationen für Übergänge und Figuren-Kombinationen holen. 

Für mich hat es sich ebenfalls bewährt nicht nur Figuren, die ich einbauen möchte, aufzuschreiben, sondern gleich Figuren-Kombinationen. Mit der Zeit erarbeitest du dir selbst ein eigenes Repertoire, aber bis dahin ist beispielsweise Dakota Fox oder Dirdy Birdy sehr hilfreich. 

Manchmal hole ich mir auch Anregungen aus Meisterschaftsvideos von Profis. Versuche nicht die Tricks zu kopieren, aber vielleicht geht ja jemand auf noch nie gesehene Weise in den Leg Hang und schließt mit einer überraschenden Figur an, welche du ebenfalls beherrschst. Dann kannst du das so oder so ähnlich vielleicht auch für dich verwenden. 

5. Strukturierung

Ok, du hast alles zusammen: Musik, Figuren, Bewegungen – Aber wie fügst du jetzt alles zu einer atemberaubenden Choreografie zusammen?

Ich kategorisiere zunächst meine Figuren und Bewegungen nach Schwierigkeit und Effekt (Schocker-/Akzent-Figur? Ja/Nein). Dann schaue ich, welche Figuren sich vielleicht direkt als Kombination abieten. Darauf folgt eine lange Phase des Ausprobieren. Funktionieren diese beiden Figuren wirklich gut miteinander? Wo habe ich Probleme? Was läuft noch nicht flüssig? Nimm das, was du dir in den Tipps 1-4 erarbeitet hast, als Gerüst für deine Choreografie, doch halte nicht zu sehr daran fest. Wenn du beginnst das Gerüst mit weiteren Figuren und Bewegungen aufzufüllen, funktioniert vielleicht etwas nicht mehr so, wie du es anfänglich gedacht hast. Dann sei flexible und schreibe deine Choreografie wieder ein bisschen um. Es wird dir auch passieren, dass du Figuren wirst streichen müssen. Halte an nichts zwanghaft fest, sondern lass dich vollkommen auf den Prozess der Veränderung ein. Eine atemberaubende Choreografie ist wie ein Strom, in welcher die eine Bewegung/Figur natürlich in die andere überfließt. Man wird sehen, wenn du unbedingt eine Figur unterkriegen wolltest. 

Wenn du bereits Choreografien gemacht hast, versuche bekannte Kombinations-Muster aufzubrechen und neue zu entdecken. Schreibe dir jeden Zwischenschritt und jede Figuren-Kombination auf. Was du nicht aufschreibst, vergisst du. Gerade bei Choreografie-Anfägern empfehle ich außerdem eine Abwechslung zwischen anstrengenderen und weniger anstrengenderen Figuren. Gib deinem Körper eine kleine Pause und mach ein paar leichtere Spins, Schritte, Drehungen oder auch Floorwork. Ein möglicher Choreografie-Aufbau wäre beispielsweise:

Einleitung, anstrengenderer Teil an der Stange, Floorwork, Spins, Finale

Einleitung, Spins, anstrengenderer Teil an der Stange, Spins, Floorwork, Finale

Einleitung, anstrengenderer Teil an der Stange, Floorwork, anstrengenderer Teil an der Stange, Spins, Finale

Du entscheidest hierbei wie viele Figuren die einzelnen Teile beinhalten und wie oft sie sich abwechseln. Probiere dies wirklich je nach deinen Figuren, deinem Stil und deinen Präferenzen aus. Wichtig ist auch hier nur wieder, dass du dich nicht übernimmst. Achte darauf, dass du bei allen Teilen noch in der Lage bist, die Figuren sauber auszuführen. 

 6. Allgemeine Tipps und Tricks

Zum Schluss noch ein paar allgemeine Tipps und Tricks für deine atemberaubende Choreografie:

  • lass dich filmen/zeichne dich auf: 

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Tendenziell denken viele, dass sie schlechter aussehen, als sie es in Wirklichkeit tun. Unter diesen Umständen ist ein Video ein toller Motivationsschub kurz vor deinem Auftritt. Manchmal ist es aber auch wie auf dem Foto und du denkst, die Armbewegung sieht super aus, hälst aber vielleicht die Hände dabei komisch. Solche Details können dir nur auffallen, wenn du deine Choreografie wirklich einmal aufzeichnest. Und ansonsten empfehle ich dir immer deine Trainingseinheiten aufzuzeichnen. Spätestens in einem halben Jahr kannst du darauf noch einmal zurück greifen und dich freuen, wie unglaublich viel besser du wieder geworden bist. 

  • atme tief durch und halte jede Figur 5 Mal so lange, wie du denkst:

In der Aufregung wirst du mit deiner Choreografie durchpowern, als ginge es darum als Erste/r fertig zu werden. Es wird dir vorkommen, als hieltest du jede Figur eine Ewigkeit, doch es werden ca. 3 Sekunden sein und am Ende der Choreo ist dann noch ein lange Lies übrig. Ich habe in einem solchen Moment auch schon ein Improvisations-Blackout gehabt und bin in unendlich vielen Runden mit immer dem gleichen Chair-Spin um die Stange gesaust. Auf keinen Fall meine Choreografie-Glanzstunde. Achte also stets während deiner Choreo auf deine Anhaltspunkte im Lied. Für den Notfall kannst du auch deine Figuren durchtakten und beispielsweise immer 5 Sekunden halten. Um eine Situation, wie meine, zu vermeiden, überlege dir außerdem vielleicht zwei Figuren die du im Notfall noch an deine Choreo dran hängen kannst.

  • übertreibe jede Bewegung

Auf das Publikum werden deine Bewegungen kleiner und schneller wirken, als du denkst. Übertreibe also ruhig jede Bewegung und mache sie betont groß, langsam, gestreckt, akzentuiert. Für das Publikum wird es dann gerade richtig aussehen.

  • Hab Spaß

Meistens ist Pole von uns doch auch immer noch ’nur‘ ein Hobby. Hab also Spaß während deiner Choreografie und obsessiere nicht. Das kommt aus tiefstem Herzen von einer Perfektionistin, die wirklich schon verzweifelte Trainingseinheiten hinter sich hat. Alles wird gut, das verspreche ich dir. Meiner Erfahrung nach bist du während des Auftrittes besser als in all deinen Trainingseinheiten. Das immense Adrenalin wird für ungeahnte Muskelkraft sorgen und auch Grip war nur ganz selten ein Thema für mich. Sollte dir doch ein Fehler passieren, dann ist das nur menschlich. Und hey – du machst schließlich Pole. Mit dem einfachsten Spin bist du schon besser als alle Couch-Potatoes zusammen :)!

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Wie hat dir diese Serie geholfen? Konnten ein paar deiner Fragen beantwortet werden? Ich freue mich über jedes Feedback. Gern kannst du mir auch dein Choreografie-Videos zukommen lassen und ich bewundere dich einfach oder gebe dir noch ein paar Hinweise. 

Bis bald und happy pole-ing!