Im Juni 2015 war ich eine überenthusiastische Pole Anfängerin, die glaubte, dass ihre Muskeln unzerstörbar sind und alles aushalten (kommt dir bekannt vor?). Ich stellte eine Pole in meinem Zimmer auf und brachte mir Spins, Chopper und Inverts bei, in die ich fälschlicherweise natürlich sprang. Ich übte einfache 2-armige Spins für 10 Minuten bevor ich zur Arbeit ging, ohne aufzuwärmen (Wer hat denn schon Zeit für sowas, nicht wahr?). Für eine gewisse Zeit ging mein unverantwortliches Training gut und verursachte mir keine Schmerzen oder Verletzungen. Doch das Unglück lauert immer hinter der nächsten Ecke und trifft einen, wenn man es am wenigsten erwartet.

Ich wachte an einem normalen Arbeitstag morgens auf und dachte obsessiv über eine Baby Spin Variante nach. Am Abend vorher hatte der Spin nicht geklappt, also dachte ich, ich wage noch schnell einen Versuch bevor ich zum Bus los gehe. Natürlich verschwendete ich keine Zeit mit Aufwärmung – bis jetzt war ja nie etwas passiert. Sprung, Zug, festhaaaaaaaaaalten … AUTSCH!! Ich ging von der Pole ab und spürte einen höllischen Schmerz, der von meinem rechten Schulterblatt ausstrahlte. Es fiel mir schwer zu atmen und meine rechte Rippe fühlte sich überhaupt nicht gut an …

Schmerzende Rippen (manchmal in Kombination mit Schmerzen im oberen Rücken) beim Atmen, beim Arm ausstrecken, beim aus dem Bett aufstehen, beim Hose hochziehen, usw. sind alles Symptome einer Rippenverletzung. Die Verletzung könnte auf geprellte oder gebrochenen Rippen, gezerrte oder gerissene zwischen- oder  umliegende Muskeln, oder (Trommelwirbel) ein verrenktes Rippengelenk hindeuten. In meinem Fall war der Schmerz so stark, dass ich überzeugt war, ich hätte eine Kombination aus gebrochenen Rippen und gerissenen Muskeln. Auf einmal befiel mich eine schreckliche Angst und ich hasste mich dafür so unvorsichtig gewesen zu sein.

Verschiedene Rippenverletzungen verursachen mehr oder weniger die gleichen Symptome, weshalb es schwierig ist herauszufinden, was genau nicht in Ordnung ist. Ein Arzt wird dich in der Regel erst mal röntgen, um gebrochene Rippen auszuschließen. Wenn dies ausgeschlossen ist, wie in meinem Fall, diagnostiziert der Arzt meist einen verletzten oder entzündeten Rippenzwischenmuskel. Ich habe diese Diagnose von inzwischen fünf Ärzten erhalten. Brav wartete ich fünf Wochen ab und hielt mich von der Pole fern. Nach drei Tagen völliger Ruhe, besuchte ich wieder normale Tanzkurse (Hip Hop, Ballett, Jazz) und vermied Bewegungen, die einen stechenden Schmerz verursachten. Trotzdem fühlte ich beinahe die ganze Zeit einen unglaublichen Schmerz. In der vierten Woche ging es mir besser, aber etwas fühlte sich noch immer eingeklemmt an und tat mir weh. Ich dachte, wenn es ein Muskelproblem ist, sollte es eigentlich nicht so lange heilen müssen. Muskeln heilen schnell, weil sie gut durchblutet sind. Wenn ich außerdem mit der Hand über meine Rippen fuhr, an die Stelle, wo ich die Verletzung spürte, dann ertastete ich eine harte knöcherne Beule. Aber warum hatte die Röntgenbilder nichts gezeigt?

Ich schwöre euch, ich dachte, ich habe einen Tumor. Ich ging zu drei Ärzte, die mir alle die knöcherne Beule bestätigten, aber mir versicherten, dass die Röntgenbilder gesunde Rippen zeigten. Sie vermuteten einen entzündeten Rippenknorpel, weil die Stelle von meinen falschen Bewegungen gereizt war. Die Stelle, die ich meine, betrifft die vorderen oberen Rippen direkt unter der Brust bis leicht zur Achsel hin. Allerdings kann doch ein entzündeter Knorpel nicht zu so einer Beule führen.

Ein weiteres Symptom war der quälende Schmerz unter dem rechten Schulterblatt, welcher die Ärzte dazu verleitete zu glauben, dass mein Rhomboidmuskel gezerrt wäre. Ein Doktor gab mir 6 Kortisonspritzen in die entsprechende Stelle. Ich muss jedes Mal mit den Augen rollen, wenn ich daran zurück denke. Das Kortison half überhaupt nichts, die Schmerzmittel linderten meine Schmerzen etwas, aber auch nach 6 Wochen fühlte sich etwas noch nicht wieder normal an: Ich hatte ständig den Drang meinen oberen Rücken zu knacken und irgendetwas blockierte mich und fühlte sich eng an, wenn ich mich aufsetzte. Die knöcherne Beule war inzwischen kleiner geworden, aber immer noch da. Nachdem der stechende Schmerz vorüber war, begann ich wieder mit Pole und zwei Monate ging alles gut und fühlte sich erträglich an. Ich dachte, ich sei endlich geheilt. Bis nach einem Workshop auf einmal der stechende Schmerz beim Atmen zurück kam. Oops I did it again!

Meinen Zustand nennt man floating/slipping rip syndrome (engl. für schwimmende, rutschende Rippe). Ich fand das heraus, nachdem ich ausführlich im Internet dazu recherchierte. Wenn ich Rippenschmerzen bei Google suchte, verwiesen die meisten Ergebnisse auf Costochondritis, eine mysteriöserweise wiederkehrende Entzündung der Rippenzwischenmuskeln, womit Patienten sich Zeit ihres Lebens abfinden müssen, NSAIDs (nichtsteroidaler Entzündungshemmer) nehmen und viel ruhen. Ich werde richtig ärgerlich, wenn ich daran denke, wie oberflächlich diese Beschreibung eigentlich ist. Fakt ist, dass es eine Antwort gibt. Man weiß, weshalb die Entzündung immer wieder auftritt und man kennt sogar eine Heilung.

Der Zustand ist ein mechanischer. Das slipping rib syndrome, die „gestauchte, eingedrückte Rippe“ oder „Costochondritis“ sind alles die gleichen Name für den gleichen Umstand: Bänder und Knorpel werden durch ein Rippentrauma überdehnt und auch wenn der Schmerz nach einigen Wochen weg geht, ist es wahrscheinlich, dass er unter den gleichen Bedingungen ohne Vorwarnung erneut auftritt. Dies erklärt beispielsweise warum ich den Schmerz wiederholt auslöste, trotz verantwortungsvollen Trainings. Was die Beule angeht, so bin ich der Meinung, dass sie das Ergebnis der verrutschten Rippe ist. Wenn deine Rippe aus ihrer Position rutscht, dann bewirkt ihre unnatürliche Lage, dass die umliegenden Muskeln gereizt werden und sich entzünden. Daher rührt ebenfalls der Rippenschmerz. Der Schmerz ist jedoch kein Hinweis auf ein Muskelproblem, sondern die Muskelschmerzen sind eher ein Resultat daraus.

Wie können wir das Problem nun beheben?

Bei meiner Recherche bin ich auf zwei Methoden gestoßen:

 1) Prolotherapie: regenerative Injektionstherapie, mit der gelockerte Bänder wieder gestärkt werden können. Mehr dazu könnt ihr beispielsweise auf Caringmedical.com lesen. Ich bin der Methode gegenüber etwas skeptisch, da es noch nicht ausreichend bestätige Studien zu dieser Therapie gibt. Ich selbst habe mich mit dieser Methode auch noch nicht viel auseinander gesetzt, da ich momentan auf Lösung #2 vertraue.

2) Manuelle Justierung des hinteren Rippengelenks: Diese Methode erfordert leider viel Hingabe und sollte für mindestens 2-5 Minuten zwei Mal täglich ausgeführt werden. An guten wie an schlechten Tagen, vor allem aber, wenn dein Training besonders auf den Oberkörper ging. Dazu benötigst du ein gekrümmtes Objekt, welches deine Rückengelenke wieder ausrichten kann. Du musst deinen Rücken gegen den Gegenstand drücken und dich vorsichtig hin und her bewegen. Du kannst das Entblocken spüren und wirst ein deutliches Knacken hören.

Eine Faszienrolle allein reicht nicht, da sie zu flach ist, um den Bereich gezielt anzugehen. Das heißt wiederum nicht, dass eine Faszienrolle nutzlos ist. Verwende sie weiter, wenn du eine hast. Massage Bälle sind nicht ausreichend hart und ich persönlich habe den BackPod für mich entdeckt. Der BackPod, wurde von dem neuseeländischen Physiotherapeuten Dr. Steve August entwickelt und ist ein Massagegerät, das die hinteren Rippengelenke anspricht und sie entsperrt. Er ist eine Form der selbständigen manuellen Therapie. Ich bervorzuge diese Methode, da sie dich als Patientien unabhängiger von Chiropraktikerinnen macht. Dr. August erklärt das in seinem Video nochmal sehr schön:

Die Kommentare unter dem Video bieten auch noch einmal Antworten auf viele Fragen, die man vielleicht hat. Dieser neuseeländische Physiotherapeut ist die einzige medizinische Quelle, die ich online finden konnte, die ein gutes Verständnis meiner Erkrankung hat und sinnvolle Lösungsansätze anbietet. Auf mich wirkt er nicht kommerziell motiviert und antwortet schnell auf die Fragen unter seinem Video.

Hier ist also meine Geschichte. Ich hoffe, dass sich meine Geschichte in unserer Community herumspricht, damit ich auch anderen aus dieser frustrierenden Situation helfen kann. Wenn ich Neuigkeiten habe, werde ich sie euch sofort mitteilen. Esst gut, lebt gesund und hört auf euren Körper.

PS. Wenn die Verletzung frisch ist und der Schmerz sehr stark, dann führt die Mobilisierungsübungen ganz sanft aus. Vermeidet jedoch jegliche starke Belastung, da ihr die umliegenden Muskelgewebe ernsthaft beschädigen könnt, wenn die Rippe nicht in ihrer korrekten Position ist.

 Tipps, die jede Sportlerin kennen sollte:

  • Apfelschale enthält eine Substanz, die Muskelschwächung und Atrophie vorbeugt
  • verschiedene Lebensmittel wie Zwiebeln, Knoblauch und andere Lebensmittel mit hohem Schwefelanteil unterstützen die Präventionen von Sehnenzerrungen. Wenn du übermäßig Antibiotikum nimmst, steigt das Risiko eines Sehnenrisses, da die Einnahme von Antibiotikum das Gewebe schwächt.
  • Nimm keine NSAIDs. NSAIDs können zu chronischen Sehnenproblemen führen, da sie den Schwefel entziehen, der für die Bindung von Kollagen und somit die Reparatur gerissener oder gezerrter Sehnen notwendig ist.

(Der Inhalt dieses Artikels wurden von Lea sorgfältig geprüft. Dennoch erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität, Qualität und Genauigkeit. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch das Vertrauen in diesen Artikel entstehen. Dieser Artikel ersetzt nicht die Konsultation eines Arztes.)

Möchtest du deine Geschichte teilen? Kontaktiere mich unter eatpolelove@gmail.com

 

Über Lea:

Lea

Lea wurde 1983 als Kind libanesischer Eltern geboren und arbeitet derzeit als Software-Ingenieurin in Deutschland. 2011 begann sie Hip-Hop und Modern Jazz Unterricht zu nehmen und stellt fest, dass sie Bewegungen liebt, die Kraft und Flexibilität erfordern. Tanzen wurde schnell zu ihrer großen Leidenschaft und sie hätte niemals gedacht, dass Tanzen sie zu einer sogar noch größeren Leidenschaft führen könnte: Pole. 2015 sprach ein Mädchen Lea an und sagte ihr, dass sie starke Arme hätte und doch mal Pole versuchen sollte. Und so begann alles! Lea nahm ihre erste Pole Stunde im Mai 2015 und beschloss sofort sich eine eigene Pole für Zuhause zu kaufen. Regulären Pole Unterricht nimmt sie seit Januar 2016 und entwickelt weiterhin ihre eigenen Pole Choreografien Zuhause.

(image by rapunzeln / photocase.de)