Ich habe mich jetzt beinahe 6 Monate lang auf das RAD Pole Camp in Griechenland gefreut. Jedes Mal, wenn ich daran gedacht habe, dass ich bald auf viele meiner größten Pole Idole treffen würde und die Chance bekomme von ihnen zu lernen, dann bin ich vor Aufregung ganz hibbelig geworden. Ich gebe ehrlich zu, dass ich auch ein bisschen nervös war, da ich etwas unter Flugangst leide. (Ok, ich habe schreckliche Flugangst und sogar für eine Millisekunde überlegt, ob es nicht auch eine Zugverbindung nach Athen gibt.) Das meine Nervosität unbegründet war und alles gut werden würde, begriff ich, als wir pünktlich in Athen landeten und ein Grieche etwas in die Richtung Eye of the Tiger von seinem Handy abspielte, woraufhin das ganze Flugzeug unseren heldenhaften Piloten wild bejubelte und beklatschte. Diesen Song werde ich mir jetzt glaube ich auch auf mein Handy laden, um zukünftig allen erfolgreichen Piloten diese Zuwendung zukommen lassen …

 

Das RAD Pole Camp in Griechenland war sehr gut organisiert. Das Hotel schön, sauber und modern eingerichtet. Am wichtigsten ist ja aber sowieso, dass die Sonne scheint und es einen Pool gibt, oder? Aus den Workshops habe ich viel für mich mitgenommen und besonders toll fand ich die gratis Nachmittagsaktivitäten, wie Calisthenics, Acrobatics, Dance Flow oder Stretching mit Marion Crampe (WHAT?). Hier noch ein paar Erkenntnisse, die ich aus dem Camp gewonnen habe:

 

  • ich bin sehr froh, allein gefahren zu sein, da ich so viel mehr tolle Menschen kennen gelernt habe
  • man muss auch mal den Mut haben sich das Zimmer mit einer fremden Person zu teilen – Hallo, Sinem, meine neue Sister from another Mister :)
  • griechisches Essen ist großartig, aber nicht für Diäten geeignet

Das schönste am Pole Camp war allerdings, dass ich so viele Pole Tänzerinnen kennen gelernt habe. Es ist interessant zu hören, wie andere ihr Pole Training aufbauen oder wie andere Pole Studios strukturiert sind. Mit jeder Einzelnen war der Austausch eine Bereicherung. Dieser Austausch, gemeinsam mit den Workshops, hat mir geholfen mein eigenes Pole Training wieder in die richtige Relation zu setzen und mich meiner Pole Wurzeln zu besinnen. 

Als Pole Tänzerin, als Trainerin, als Bloggerin, in welcher Rolle auch immer, fühle ich mich oft, bewusst oder unbewusst, einem großen Druck ausgesetzt. Und ich weiß, dass es vielen so geht. Beinahe jede Pole Tänzerin, die man fragt, wie lange sie Pole macht, entschuldigt sich, dass sie aber noch nicht so gut ist, wie sie sein müsste/könnte. Ich muss mich hier leider einschließen. Ich verspüre oft den Druck, dass ich nicht stark oder gelenkig genug bin. Dass meine Instagram Videos nicht sauber oder kreativ genug sind. Ich habe Angst, dass meine Stunden nicht interessant genug sind. Als ich die Workshops von Maddie Sparkle, Michelle Shimmy und Marlo Fisken besucht habe, als ich mich mit anderen Camp Teilnehmerinnen unterhalten habe, ist mir klar geworden, dass ich im Grunde ein recht verkrampftes Verhältnis mit Pole habe. Ich fühle mich in der Position ständig liefern zu müssen und dies nie zur Genüge zu tun. 

Maddie Sparkle hat uns in ihrem Workshop erzählt, dass Pole Tänzerinnen ihr oft neue Pole Tricks zeigen und meinen, sie müsste, das doch auch mal probieren. Sie sei dann einfach immer so Nope. Keine Lust. Maddie gibt zu, dass sie ein relativ enges Repertoire an Pole Tricks hat, die ihr Spaß machen und dass sie diese dafür immer und immer wieder bis zur Perfektion trainiert. Maddie hat mich daran erinnert, dass man sein Pole Training vor niemanden rechtfertigen sollte, sondern immer das tun, worauf man Lust hat. Dass es eigentlich egal ist, was man tut, solange es authentisch ist und dich wiedergibt.

 

Mit Marlo Fisken hatte ich das lustigste Warm Up meines Lebens. Es bedurfte ein paar Zumba Beats, sowie fünf tanzfreudiger, türkischer Kursteilnehmerinnen und schon hatten wir die ausgelassenste Warm Up Party, die mich in ein Schwitzstadium versetzte, für das ich mich ernsthaft schämte. Marlo’s Workshops waren energiegeladen und anders als alles, was ich bisher mitgemacht habe. Es hat mich tief beeindruckt, dass Marlo überhaupt keine Angst vor Bewegungen hat, die unkonventionell oder auch mal unelegant sind. Man spürt ihre unbändige Freude am Tanz und der Bewegung an sich. Das hat mir in Erinnerung gerufen, wie unbekümmert Pole Training eigentlich sein kann. Wie wenig es sich nach Training und Arbeit anfühlen und was für großen Spaß es machen kann. Ich denke, ich habe in letzter Zeit zu ergebnisorientiert trainiert. Immer musste am Ende des Tages etwas bei rauskommen (ein Instagram Video, ein Unterrichtsinhalt, etc.). Dieser Druck lässt keinen Raum, um einfach kreativ zu spielen und engt am Ende nur ein. 

Michelle Shimmy strahlt ein tiefes Selbstbewusstsein aus. Exotic Pole ist immer noch heftig umstritten und wird von der Gesellschaft teilweise hart verurteilt, doch Shimmy steht zu ihrem Stil und meistert diesen auf einzigartige Weise. Ihre Choreografien nehmen sich selbst nicht zu ernst und vermitteln, wie schon Marlo, einfach Spaß am Pole Dance an sich. Shimmy’s Workshops haben mich daran erinnert, dass ich einfach stolz sein sollte auf die Pole Tänzerin, die ich bin, egal was andere denken. 

 

Ich weiß, ich weiß, du rufst jetzt wahrscheinlich, dass du all das schon immer gesagt hast: Pole soll Spaß machen, man soll sich selbst treu bleiben, man darf sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Aber begreifen muss man es ja doch selbst. Vielen Dank jedenfalls an das RAD Team für das tolle Camp, alle Pole Athleten für die wundervollen Workshops und meine Pole Mädels, dass ich zu meinen Pole Wurzeln zurückkehren konnte.